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Gert Kambartel


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vom 24.02.2011, 11:23 Uhr

Guttenberg Plagiat - kein Geständnis, sondern Überführung

Mit Sorge verfolge ich die derzeitige Diskussion über die Plagiatsvorwürfe des Herrn Minister für Verteidigung zu Guttenberg. Spätestens seit gestern wissen wir aus der Pressekonferenz der Universität, an der Herr zu Guttenberg promoviert hat, daß sich diese Vorwürfe bestätigt haben. Die Folge: Aberkennung des Doktortitels durch die Universität - eine klare souveräne Entscheidung der Uni soweit.

Damit scheint für zu Guttenberg die Sache in Ordnung zu sein. Hier wird aber auf Grund seiner Popularitität ganz offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen. Wie sieht denn die Realität im restlichen Leben aus? In der Schule gespickt - Klausurnote 6 heißt die Quittung. Beim Arbeitgeber mit gefälschten Zeugnissen beworben - gestörtes Vertrauensverhältnis, die Quittung heißt Kündigung. Man könnte diese Liste fortsetzen ohne Ende. Bei Herrn zu Guttenberg sind diese ehrwürdigen Rechtmäßigkeiten außer Kraft gesetzt. Er glaubt seinen zu Unrecht erworbenen Doktorhut an den Nagel hängen zu können und die Sache ist für Ihn erledigt. Jetzt stellen wir uns einfach mal den immer wieder gern zittierten Eierdieb vor. Einen guten Kern würde ich im Eierdieb noch sehen, wenn er, ohne daß ihm jemand auf die Spur gekommen wäre, die Eier reuemütig von selbst zurückbringt. Doch was wäre, wenn man ihn überführt hätte? Er müßte nicht nur den Schaden ersetzen, sondern er müßte darüber hinaus noch eine strafrechtliche Betrachtung wegen Diebstahls mit allen Konsequenzen über sich ergehen lassen, die je nach Anzahl der gestohlenen Eier in entsprechnder Höhe ausfallen könnte.

Nicht so bei Herrn zu Guttenberg. Erst nach der Überführung fängt er an, scheibchenweise die Vorwürfe zu bestätigen. Er gibt also immer nur das zu, was man ohnehin längst herausgefunden hat. Da bleibt leider aus meiner Sicht wenig Raum für eine gute Beurteilung seiner Persönlichkeit. Für mich ist zu Guttenberg eine gespaltene Persönlichkeit. Da ist einerseits der eitle Medienstar und da ist der im Hintergrund betrügende zu Guttenberg. Jedoch ergibt nur beides zusammen den echten und wahren zu Guttenberg. Ich kann mir nicht den Guten aussuchen und lasse den Schlechten links liegen, weil er mir nicht paßt.

Guttenberg und seine Verantwortung

Nach seiner Überführung, denn von Eingeständnis kann man nach einer Überführung ja nicht mehr sprechen, glaubt zu Guttenberg noch eins oben drauf zu setzen, indem der gute zu Guttenberg nun über den schlechten zu Guttenberg redet und versucht, diesen Schlechten als den Dummen hinzustellen, was der denn alles für "Mist" gebaut hat. Das ist für mich der billige Versuch aus zweimal Minus nun doch noch ein Plus zu machen oder mit anderen Worten, der Versuch aus der Not noch eine Tugend zu machen, eine klassische Eigenschaft wohl der meisten Politiker in diesem Lande.
Wo bleibt nun die moralische Verantwortung des Herrn zu Guttenberg? Sollen wir ihn uns jetzt weiterhin als guten Minister vorstellen, der doch so ein prima Kerl ist, weil er erst nach seiner Überführung des Eierdiebstahls die Eier zurückgegeben hat? Das kann doch nicht im Ernst die Meinung der Bevölkerung sein. Er steht nunmal nicht mehr und nicht weniger als unserem bewaffneten Heer als Minister vor, bei dem man nicht nur bei allen Vorgesetzten sondern auch bei dem Minister den gleichen Maßstab anwenden sollte. Was würde aus der Truppe werden, wenn man bei der Ausbildung von Offizieren und Verantwortlichen ähnliche Verfehlungen als Kavaliersdelikt abtun würde, mit der Begründung "Na der Minister hat doch auch geschummelt"?

Bei der gesamten Betrachtung des Falles zu Guttenberg bin ich eigentlich über die politische Reaktion der Unionsparteien nicht weiter verwundert, da man halt versucht, eine Person mit einem hohen Annerkennungsgrad in der Bevölkerung (was ja heute leider nicht mehr so häufig anzutreffen ist) weiterhin im Amt zu halten. Umgekehrt würde man sicher in den anderen Parteien entsprechend genauso verfahren, dessen bin ich mir sicher.

Guttenberg und die Bevölkerung

Nun hätte ich jedoch nach der Überführung des Herrn zu Guttenberg angenommen, daß seine Beliebtheitswerte in den Umfragen der Bevölkerung in den Keller gehen, aber weit gefehlt. Wenn man den Umfragen glauben schenken darf, ist er auch nach seiner Überführung noch mit hohen Werten versehen. Genau hier sehe ich nach meinem Empfinden eine persönliche Enttäuschung für mich. Ich bin enttäuscht von meinem Volk, welches hier anscheinend sein sonst immer funktionierendes Beurteilungsvermögen verloren hat. Angesichts der zunehmenden Konsumenten von BILD-Zeitung und VerblödungsTV und mangelnden Alternativen für unsere Jugend stimmen mich diese Umstände schon sehr nachdenklich. Wegen dieses immer noch hohen Beliebtheitsgrades von Herrn zu Guttenberg muß ich leider gestehen:

Von der Politik sind wir derartige Kapriolen längst gewohnt, aber ich schäme mich für mein Volk.

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